METHODE COUCH

Kein Möbel weckt wohl so schnell die Assoziation zu einer Persönlichkeit (Freud) und einer Denkschule (Psychoanalyse) wie die Couch. Als Ikone der Psychoanalyse ist die Couch Teil des populären Bildgedächtnisses geworden. Freud’s echte Couch sucht man jedoch vergeblich im Freud Museum in Wien – Freud nahm sie mit nach London, als er 1938 dorthin flüchtete, wo sie bis heute steht. Das Projekt „To COUCH in Public“ bringt in Anlehnung an diese Ikone ein besonderes Stadtmöbel in den öffentlichen Raum im Alsergrund. Im Mittelpunkt des Projekts steht dabei der besondere Charakter der Kommunikation, dessen Potenzial der Diwan birgt, bedeutet doch das aus dem Persischen stammende Wort mitunter „Versammlung, Gesellschaft und Audienz“, „to couch“ im Englischen unter anderem „in Worte fassen“. Wie Nathan Kravis in seinem Buch „Auf der Couch“ (2018) aufzeigt, reicht die Tradition des Denken und Sprechens im Liegen bis in die Antike zurück und symbolisiert bis heute „die Behauptung eigenen Denkens in Gegenwart einer anderen Person“.Aufgestellt an verschiedenen Straßenecken und Plätzen im Alsergrund soll die Couch als Ort zum Denken genutzt werden – besonders als Ort für Gedanken, die sonst nicht gedacht werden dürfen, um den Blick nach innen zu lenken, um Unerhörtes oder Verdrängtes ans Licht zu bringen. Zum einen führt uns solch ein komfortables Möbelstück im öffentlichen Raum vor, wie kalt und abweisend Stadtmobiliar heutzutage gestaltet ist und wie wenig gewöhnliche Straßen und Plätze zum Verweilen und Begegnen einladen. Zum anderen möchten wir die Couch als Symbol der Selbsterkenntnis der Stadt selbst interpretieren. Denn Praktiken der Verdrängung „der Anderen“, von älteren Menschen, MigrantInnen und von Armut Betroffenen aus dem Stadtbild gehen weit über fehlendes Stadtmobiliar hinaus. To Couch in Public lädt die Stadtbewohner*innen und verschiedene lokale AkteurInnen dazu ein, im Liegen darüber nachzudenken – alleine, gemeinsam, laut oder leise – wer in Wien/im Alsergrund abwesend oder unsichtbar ist und wie wir Gentrifizierung im öffentlichen Raum begegnen können. Das Projekt versteht sich dabei vordergründig als Bewusstseins-schaffende Intervention.